Worst Case Scenario

Ein Grundstück soll mit einem Wohn- oder Geschäftshaus bebaut werden.
Zunächst wird ein Projektentwickler mit der Vorplanung beauftragt; er eruiert die planungsrechtlichen Grundlagen in den spärlichen Sprechzeiten des Bauamtes. Nach der ersten Abstimmung mit der Behörde reicht der Bauherr einen Bauantrag ein. Der Antrag durchläuft das hoch komplizierte und sensible System der Behörden- und Nachbarbeteiligung sowie der politischen Gremien.
Zumeist gibt es im Anschluss weiteren Diskussionsbedarf, weil man sich dort „etwas anderes” vorstellt, das Bauvorhaben zu groß, zu klein, zu hoch, zu flach, zu breit, zu schmal etc. ist, die Dachform nicht genehm oder die Vorgartengestaltung dem Naturschutzreferat zu wenig naturnah ausgeprägt ist und der Denkmalschutz auch noch berücksichtigt werden will. Es ergeht nach zähen, monatelangen Verhandlungen ein ablehnender Bescheid, gegen den Widerspruch eingelegt wird. Der Widerspruchsausschuss – ebenfalls innerhalb der Behörde angesiedelt – entscheidet nach ca. einem 3/4 Jahr erwartungsgemäß zu Ungunsten des Antragstellers, woraufhin dieser das Verwaltungsgericht bemüht, welches ihm dann nach weiteren 1,5 Jahren Baurecht gewährt.

Sollten der Bauherr und die finanzierende Bank dann noch das notwendige Durchhaltevermögen besitzen, wird ein Architekturbüro sowie ein Generalunternehmer oder einzelne Gewerke mit der Umsetzung der Pläne beauftragt. Der Generalunternehmer setzt noch vor Vertragsschluss die erste Behinderungsanzeige ab, fordert sofort eine Sicherheit in Höhe der Auftragssumme und droht mit einer Sicherungshypothek – gearbeitet hat er bis dahin noch nicht. Nachträge werden gestellt. Mängelrügen erhoben. Schnell blickt niemand mehr durch die komplexe Gemengelage von Forderungen und Gegenforderungen. Der Fertigstellungstermin kann nicht mehr gehalten werden, so dass weiterer Ärger mit den Mietern droht. Der Architekt kommt auf die Idee, statt seines vereinbarten Pauschalhonorars eine Vergütung nach der HOAI zu verlangen, die deutlich höher ausfällt. 

Eine Nachfinanzierung platzt. Die für die Ausführung und Gewährleistung bürgende Bank verweigert die Auszahlung der Bürgschaftssumme, weil die Sicherheitsleistung nicht wirksam vereinbart wurde. Nach Fertigstellung des Bauvorhabens schließt sich ein Jahrzehnte langer Rechtsstreit an, der über mehrere Instanzen geht, bis ein Urteil ergeht. Dann wird der Bauunternehmer insolvent.

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